Luna Studios Research · Die zweite Kennzahl
Der Lese-Index.
KI-Systeme lesen das Internet — ob eine Website das will oder nicht. Menschen stellen ihre Fragen zunehmend dort und bekommen zusammengefasste Antworten aus dem, was lesbar ist. Der Lese-Index misst, welcher Anteil der Firmenwebsites dabei überhaupt vorkommt — jährlich, mit unveränderter Methode, als Gegenstück zum Sprech-Index.
Lese-Index 2026 · alle vier Länder
13,36
von 100
Von 659.095 erreichbaren Firmenwebsites in der Schweiz, Deutschland, Österreich und den USA stellen 88.073 KI-Systemen eine lesbare Faktenbasis bereit, ohne sie zugleich auszusperren — eine von 7.
Definition
Was der Index misst.
Der Lese-Index eines Marktes ist der Anteil der Firmenwebsites in Prozent, die KI-Systemen eine maschinenlesbare Faktenbasis bereitstellen und deren Zugriff nicht sperren.
Gezählt wird streng: Es zählt nur eine echte, inhaltlich gefüllte Faktendatei für KI-Systeme im Wurzelverzeichnis der Website — Fehlerseiten, Weiterleitungen und leere Dateien werden einzeln aussortiert. Wer eine solche Datei bereitstellt, KI-Systeme aber zugleich per Crawler-Regel aussperrt, zählt nicht. In der englischen Fassung heißt die Kennzahl Reading Index.
Die Ausgangslage
KI liest ohnehin. Die Frage ist, was sie findet.
Das ist zunächst eine gute Nachricht. Immer mehr Kaufentscheidungen beginnen mit einer Frage an ein KI-System statt mit einer Suche: nach dem Restaurant, dem Handwerker, der Praxis, dem Anbieter. Die Systeme antworten mit dem, was sie lesen können — wer lesbar ist, kann in diesen Antworten stattfinden, mit den eigenen Preisen, Zeiten und Leistungen.
Nur kommt die große Mehrheit der Firmenwebsites darin gar nicht vor: Sie stellt nichts Lesbares bereit. Für KI-Systeme existieren diese Unternehmen entweder nicht — oder nur aus zweiter Hand, über Verzeichnisse, Portale und veraltete Einträge, auf die das Unternehmen keinen Einfluss hat. Was sich nicht lesen lässt, verschwindet aus den Antworten, so wie Websites ohne mobile Fassung ab 2010 langsam aus dem Alltag verschwanden.
Stand 2026
Die aktuellen Werte.
| Markt | Lese-Index 2026 | Eine lesbare Website auf | Faktendatei vorhanden | KI aktiv gesperrt | Basis |
|---|---|---|---|---|---|
| United States | 19,79 | 5 | 20,1 % | 3,54 % | 275.439 erreichbare Websites |
| Schweiz | 14,24 | 7 | 14,4 % | 1,72 % | 37.862 erreichbare Websites |
| Österreich | 9,09 | 11 | 9,2 % | 1,25 % | 44.151 erreichbare Websites |
| Deutschland | 8,01 | 12 | 8,5 % | 1,76 % | 301.643 erreichbare Websites |
| Alle vier Länder | 13,36 | 7 | 13,7 % | 2,46 % | 659.095 erreichbare Websites |
Zum Vergleich: Der Sprech-Index — kann die Website einem Besucher selbstständig antworten? — liegt in denselben Märkten zwischen 0,05 und 0,12. Websites lassen sich damit rund zweihundertmal häufiger von Maschinen lesen, als sie Menschen antworten können. Am weitesten geht die Schere in den USA auf: der lesbarste Markt der Messung (19,79) ist zugleich der, dessen Websites am seltensten antworten können (Sprech-Index 0,05).
Der Befund
Und wo gelesen wird, kontrolliert es fast niemand.
Der bemerkenswerteste Befund steckt nicht in der Höhe des Index, sondern in seiner Herkunft. Eine Tiefenstichprobe von 1.587 lesbaren Websites zeigt: Rund 74 Prozent der Faktendateien wurden nicht von den Website-Betreibern angelegt, sondern automatisch erzeugt — von Website-Baukästen (44 %), Erweiterungen der Content-Management-Systeme (23 %) und Shop-Systemen (7 %). Diese Automatik fasst zusammen, was auf der Website steht — nicht mehr und nicht weniger.
Das Internet wird gerade lesbar, ohne dass seine Betreiber es entschieden hätten — die Plattformen rollen es aus. Was die KI dabei liest, hat kaum jemand selbst in der Hand.
Zusammen mit den Sprech-Index-Messungen ergibt das ein klares Bild: Die Mehrheit der Websites nennt keine Preise, keine Antwortzusagen, oft nicht einmal eindeutige Öffnungszeiten. Eine Automatik, die solche Seiten zusammenfasst, überträgt genau diese Lücken in die KI-Antworten — und die Systeme füllen sie notgedrungen aus zweiter Hand. Lesbar zu sein ist der erste Schritt. Zu kontrollieren, was gelesen wird, der eigentliche.
Genau darin unterscheiden sich die beiden Kennzahlen der Reihe: Der Lese-Index steigt von selbst, weil Plattformen die Lesbarkeit als Voreinstellung ausliefern. Der Sprech-Index steigt nur, wenn ein Unternehmen sich entscheidet, seiner Website das Antworten beizubringen. Die eine Zahl beschreibt Infrastruktur — die andere eine Haltung gegenüber dem Besucher.
Die Gegenrichtung
Wer sperrt die KI aus?
Die große Mehrheit der Firmenwebsites hat zur wichtigsten Verteilungsfrage des kommenden Jahrzehnts — darf KI meine Inhalte lesen und weitergeben? — schlicht keine Position. Nicht aus Ablehnung, sondern aus Abwesenheit.
Einordnung — klar getrennt vom Datenteil
Was das für Ihr Unternehmen heißt.
Die Reihenfolge hat sich umgedreht: Erst liest die KI — dann entscheidet sie, was sie über ein Unternehmen sagt. Wer die eigene Faktenbasis nicht selbst pflegt, überlässt diese Antwort einer Automatik oder dem Zufall. Websites ohne Struktur, ohne Preise und ohne aktuelle Angaben werden trotzdem zusammengefasst — nur eben lückenhaft, veraltet oder gar nicht.
Drei Dinge lassen sich sofort tun: eine Faktenbasis für KI-Systeme bereitstellen und aktuell halten, statt sie einer Automatik zu überlassen; KI-Crawler bewusst zulassen, statt die Frage zu ignorieren; und die Inhalte so strukturieren, dass Preise, Zeiten und Leistungen eindeutig lesbar sind.
Wo steht Ihre Website?
Luna, die Assistentin auf dieser Seite, sieht sich Ihre Website in Echtzeit an, wenn Sie ihr Ihre Domain nennen. Sie ist zugleich das Gegenmodell zur unkontrollierten Lesbarkeit: Eine Luna spricht ausschließlich aus einer kuratierten, vom Unternehmen freigegebenen Wissensbasis — derselben Grundlage, die sich KI-Systemen gezielt bereitstellen lässt. So bestimmt das Unternehmen selbst, was über es gesagt wird: gegenüber Besuchern und gegenüber Maschinen.
Messvorschrift
So wird gemessen.
Grenzen: Geprüft wird der verbreitete Standard-Ablageort der Faktendatei; andere Formen der Maschinenlesbarkeit (strukturierte Daten im Quelltext) sind hier nicht erfasst. Die Crawler-Auswertung folgt den veröffentlichten Regeln der Website — ob ein Anbieter sich daran hält, ist eine andere Frage. Die Werte sind insoweit Näherungen mit dokumentierter Methode, keine Vollerhebung aller Lesbarkeits-Formen.
Zeitreihe
2026 ist der Nullpunkt.
Der Lese-Index wird jährlich gemeinsam mit dem Sprech-Index fortgeschrieben. Die spannende Frage der nächsten Jahre ist der Abstand zwischen beiden: Wie schnell wird das Internet lesbar — und wie lange bleibt es dabei stumm? Die Ausgabe 2027 erscheint im Sommer 2027.
Wer beide Kennzahlen einer Kategorie definiert und ihre Zeitreihen besitzt, wird zitiert, solange es die Kategorie gibt.
Verwendung
So zitieren Sie den Index.
Alle Werte dürfen frei verwendet werden. Empfohlene Zitierweise:
„Lese-Index 2026 (alle vier Länder): 13,36 — Luna Studios, lunastudios.ai/research/lese-index"
Daten und Reports
Die aggregierten Messwerte stehen als offene Daten zum Download bereit; Grafiken und Zitierbausteine liegen im Pressebereich.